Containerschiff Stau im südchinesischen Meer

Bis Weihnachten sind es zwar noch vier Monate. Doch bereits jetzt warnen die ersten Händler, dass Produkte womöglich zu spät ankommen – oder teurer werden. Auch Top-Ökonom Felbermayr befürchtet drastische Folgen.

Seit Mitte Juni stauen sich im südchinesischen Meer Dutzende Containerschiffe, weil die Behörden den wichtige Frachthafen von Shenzhen wegen eines Corona-Ausbruchs heruntergefahren haben. Viele Frachter müssen deshalb warten – oder werden auf andere Häfen umgeleitet.

Experten warnen nun: Die aktuelle Containerkrise könnten auch die Deutschen spüren. Denn viele Produkte kommen aus Asien, zum Beispiel Laptops, Fernseher, Waschmaschinen, aber auch Kleidung oder Fahrräder. Dabei ist der jetzige Containerstau nur eine kleine Krise im Vergleich mit den Verwerfungen der Lieferketten seit Beginn der Corona-Pandemie.

Gabriel Felbermayr leitet als Präsident das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und weiß, wie schlimm die Auswirkungen der Lieferkrise sind; für die Deutschen, aber auch die wirtschaftliche Erholung nach Corona.

Er erklärt, warum wir uns hierzulande Sorgen um unsere Weihnachtspakete machen müssen und wie die Lieferketten künftig gesichert werden können.

Herr Felbermayr, die Corona-Zahlen steigen wieder, die Delta-Variante ist mittlerweile fast überall dominant. Wie sehr bedroht das den Aufschwung der Weltwirtschaft?

Vermutlich nicht so stark wie die vergangenen Wellen der Pandemie.Die Impfkampagne ist – mit großen Unterschieden – schon sehr weit fortgeschritten. Das heißt, wir können die Grenzen auch bei deutlich höheren Inzidenzen offenhalten, der Warenverkehr kann weiterlaufen. Ich rechne deshalb damit, dass wir im Herbst zwar neuerliche Einschränkungen erleben werden. Ich gehe aber nicht davon aus, dass wir uns wieder durch einen harten Lockdown quälen müssen wie im Winter 2020. Für Gastronomen, Hoteliers und den Einzelhandel wird der Schaden deutlich geringer ausfallen.

Zu schaffen machen dürften jedoch die globalen Lieferketten, die wegen Corona stark durcheinandergeraten sind. Seit kurzem kommt noch die Containerkrise im südchinesischen Meer hinzu. Wie schlimm ist es, dass dort Dutzende Schiffe warten müssen?

Was in China passiert, ist dramatisch. Das sind schmerzhafte Einschnitte für die Weltwirtschaft. Wenn einer der größten Häfen der Welt wegen eines Corona-Ausbruchs herunterfährt, holpert der Warenverkehr auch an anderen Orten. Dennoch sind die Einschränkungen jetzt nur punktuell – nicht gleichzeitig und flächendeckend wie im Frühjahr 2020, als die ganze Welt im Lockdown war. Für die global agierende deutsche Wirtschaft ist die Situation jetzt also nicht im Ansatz so schlimm wie vergangenes Jahr.

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