Inflation in Deutschland und Europa auf Rekordhoch 7,5%

Laut einer ersten Schnellschätzung der Statistikbehörde Eurostat ist die Inflation in den Euro-Ländern im März auf 7,5 Prozent gestiegen. Eine derart hohe Inflation gab es in Europa vielerorts nicht mehr seit den 1980er Jahren. Der Hauptgrund für die derzeitige Preis-Hausse sind die stark steigenden Energiepreise. Damit wird die von vielen damals angezweifelte Jahresprognose der Human Invest Analysten vom 5. Januar 2022 noch weit übertroffen. Jetzt heisst es das angelegte Kapital vor Kaufkraftschwund wirksam zu schützen. Was ist zu tun?

Die jüngsten Inflationsdaten für Deutschland haben auch für die EU insgesamt Ungutes erahnen lassen. Und am Freitag hat die Statistikbehörde Eurostat die Befürchtungen bestätigt. Laut einer ersten Schnellschätzung ist die Inflation in den Ländern mit der Gemeinschaftswährung im März auf 7,5 Prozent gestiegen. Konsumgüter und Dienstleistungen kosteten im März im Durchschnitt also 7,5 Prozent mehr als im März 2021.

Der Hauptgrund für die derzeitige Preis-Hausse sind die stark steigenden Energiepreise. Diese verteuerten sich im Mittel um satte 44,7 Prozent. Es ist ein Effekt, den mittlerweile jeder Autofahrer an der Tankstelle mit eigenen Augen sieht und in seinem Portemonnaie spürt. Der Krieg in der Ukraine und Ängste vor einem Erdöl- und Erdgas-Lieferstopp treiben die Preise in die Höhe.

Doch es sind mittlerweile längst nicht mehr nur Strom, Heizöl, Diesel und Benzin, die für diese hohe Inflation sorgen. Auch die Preise für Nahrungsmittel, Dienstleistungen und Industriegüter wachsen deutlich schneller als 2 Prozent, was dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) für die Inflation insgesamt entsprechen würde. Rechnet man die allgemein als eher volatil geltenden Produkte wie Energie, Lebensmittel, Tabak und Alkohol heraus, ergibt sich auch für die sogenannte Kern-Inflation noch immer ein Wert von 3 Prozent.

Damit dürfte sich nun der Druck auf die EZB noch einmal erhöhen, ihre lockere Geldpolitik schneller als bisher geplant zu beenden und die Zinsen zu erhöhen. Kritiker fordern das schon länger, während die EZB auf die durch den Krieg in der Ukraine wieder gestiegenen Risiken für die Konjunktur verweist. Immerhin will die EZB vorerst an ihrer zögerlichen Einleitung der Zinswende festhalten, auch wenn sie auf maximaler Flexibilität für das laufende Jahr beharrt.

«Das Schlüsselwort, das wir im Moment haben, ist Unsicherheit», sagte die EZB-Präsidentin Christine Lagarde dazu vor wenigen Tagen in einem Interview in Zypern. Bis vor wenigen Monaten sei man sich ziemlich sicher gewesen, wie stark der Aufschwung sein würde. Denn die Pandemie sei am Abklingen. Doch der Krieg sei ein exogener Schock für alle Volkswirtschaften, auf den man nun reagieren müsse, sagte Lagarde.

Der Krieg werde das Wachstum verringern und die Inflation erhöhen, aber die EZB sehe derzeit keine Anzeichen für eine sogenannte Stagflation. Dabei handelt es sich um eine Kombination von geringem Wachstum und hoher Inflation, was ein Schreckensszenario ist.

In den USA hat die Zentralbank längst begonnen, die Zügel der Geldpolitik wieder anzuziehen. Das unterschiedliche Vorgehen wird allerdings auch dadurch erklärt, dass sich die Inflation in den USA anders zusammensetzt als in Europa. In Amerika werden die Produkte auf breiter Front teurer, die Kern-Inflation ist dort der Hauptfaktor und nicht die Energie wie in der Euro-Zone.

Die hohen Energiepreise setzen in Europa aber auch die Politiker unter Druck, etwas zu unternehmen. Entsprechend haben die 27 Staats- und Regierungschefs der EU an verschiedenen Gipfeln bereits hitzig debattiert, was zu tun sei. Spanien beispielsweise, das stärker als andere Länder jüngst auf die lange niedrigen, aber nun stark steigenden Spot-Marktpreise beim Einkauf von Energie setzte, wünscht sich starke Eingriffe in den Markt. Preisbildungsmechanismen sollen angepasst und allenfalls Höchstpreise festgeschrieben werden.

Das erklärt sich auch dadurch, dass Spanien mit einer geschätzten Inflation von 9,8 Prozent im März unter den grösseren Volkswirtschaften in der EU besonders betroffen ist. Deutschland (7,6 Prozent), Italien (7 Prozent) und Frankreich (5,1 Prozent) sehen sich mit einem etwas geringeren, aber noch immer deutlich stärkeren Preiswachstum als etwa die Schweiz (2,4 Prozent) konfrontiert.

Einzelne Länder wie Litauen (15,6 Prozent), Estland (14,8 Prozent), die Niederlande (11,9 Prozent) und Lettland (11,2 Prozent) weisen gar zweistellige Zahlen aus. Mit derart hohen Inflationswerten dürfte der Ruf nach Lohnerhöhungen lauter werden. Schliesslich fürchten die Arbeitnehmer nun um ihre Kaufkraft.

Solche Forderungen könnten durchaus auch auf Gehör stossen. Denn die Arbeitslosigkeit ist in der Euro-Zone per Ende Februar auf den niedrigsten erfassten Wert von 6,8 Prozent gesunken. Arbeitnehmer sind wieder gefragt, und die Firmen dürften diese mit höheren Salären anziehen oder halten wollen.

Die Pandemie hat zwar zu einem vorübergehenden Anstieg auf bis zu 8,6 Prozent Arbeitslosigkeit im Herbst 2020 geführt, doch seither ist der Wert wieder gesunken. Das dürfte zu einem grossen Teil auch Massnahmen wie der Kurzarbeit geschuldet sein. Dieses Modell wurde während der Pandemie in der EU auch in Ländern eingeführt, die es noch nicht gekannt hatten. Und das erklärt auch teilweise, weshalb Europa nicht extreme Ausschläge am Arbeitsmarkt erlebt hat, wie sie etwa in den USA zu beobachtet waren.

Die für EU-Verhältnisse niedrige Arbeitslosigkeit geht einher mit einer wieder auf Wachstumskurs eingeschwenkten Wirtschaft. Die Euro-Zone hat die Auswirkungen der Pandemie nämlich mittlerweile überstanden. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) wuchs im vierten Quartal 2021 um 4,6 Prozent im Vergleich mit demselben Quartal im Vorjahr.

Kurz vor dem grossflächigen Angriff Russlands auf die Ukraine Ende Februar hatte die EU-Kommission ihre jüngste Konjunkturprognose veröffentlicht. Damals erwartete Brüssel, dass die Volkswirtschaften in der Euro-Zone 2022 durchschnittlich im Vergleich mit dem Vorjahr um 4 Prozent wachsen und auch 2023 nochmals um 2,7 Prozent zulegen würden. Der deutsche Sachverständigenrat schätzte nun vor wenigen Tagen, dass das Wachstum in den Ländern mit dem Euro aufgrund des Krieges in der Ukraine im laufenden Jahr auf 2,9 Prozent zurückgeht und 2023 dann aber ebenfalls 2,9 Prozent beträgt. Die EZB rechnet neu mit 3,7 Prozent (2022), 2,8 Prozent (2023) und 1,6 Prozent (2024).

Zu der von der EZB-Präsidentin Lagarde angesprochenen Unsicherheit trägt sicherlich auch die Frage bei, ob Russland weiterhin Erdgas nach Europa liefert. Ein Embargo der EU oder ein Lieferstopp Moskaus dürfte einen grossen negativen Einfluss auf die Konjunktur haben. Und die Inflation weiter ansteigen lassen.

Was ist zu tun?

Doch wie es auch kommt. Das Geld aller Anleger und Sparer wird schon jetzt durch den ständigen Kaufkraftschwund permanent entwertet. Diesem kann man in unsicheren Zeiten nur mit guten Renditen begegnen, die dabei in etwa so hoch sein sollten, wie die Geldentwertung voranschreitet.

Doch dies ist in unsicheren Kriegszeiten mit den sonst üblichen Anlageformen (Aktien, Fonds und sonstige Unternehmensbeteiligungen) kaum mehr möglich. In Zeiten von Sanktionen, Boykotten und einer schwindenden gesicherten Rohstoff und Energieversorgung weiss wirklich niemand, welches Unternehmen unbeschadet aus der Krise kommt, oder dessen Existenz sogar gefährdet ist.. Zu kompliziert sind mittlerweile die Wertschöpfungsketten und globalen Vernetzungen. Wo lauern Verluste, oder gar ein Totalverlust?

Deshalb kann es nur einen sicheren Rat geben. Mit seinem Kapital den Einflussbereich der EU zu verlassen und auf sichere Festgeldkonten mit garantiertem Festzins zu setzen. Und dies in Weltregionen wo es auch heute noch faire Zinsen und ein funktionierendes Bankgeheimnis gibt. Dinge, die früher alle zu DM Zeiten noch durchaus üblich waren.

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